Mittwoch, 4. Februar 2009

Tina Turner – 14.01.2009 live in Lanxess Arena (Köln)

Zu Tausenden „pilgerten“ die Menschen durch den unterirdischen Bahnhof von Köln/Deutz in Richtung Lanxess-Arena. Nach acht Jahren Abwesenheit von der internationalen Bühne war das Wiedersehen bei Fans und Sängerin groß. Die damals angekündigte Abschiedstournee sollte also doch noch nicht der endgültige Abschluss sein. Und es sollte sich lohnen… Keine Spur von einer gequälten Wiederkehr oder gar einer überforderten Künstlerin. Im Gegenteil. Mit dieser Ausdauer, sympathischen Art, Stimme und Charisma sollten die Fans Tina Turner in Erinnerung behalten… Dank eines Schnäppchens bei Ebay war ich dabei.

In der nahezu vollbesetzten Arena boten drei Videoleinwände – eine davon direkt als Bühnenhintergrund, etwas oberhalb der eigentlichen Bühne – eine gute Sicht auf die Protagonisten. Der Videowürfel kam allerdings nicht zum Einsatz.
Von meinem Sitzplatz aus allerdings auch völlig überflüssig. Auch die Leinwände fanden auf Grund des äußerst guten Sitzplatzes nur eher selten Anwendung.

20:20 Uhr fiel der rote Vorhang – auf einer ca. 10 Meter hohen Bühnenkonstruktion begann Tina Turner ihre Show vor geschätzten 14.500 Zuschauern, die ihr bereits zu Beginn zu Füßen lagen.
Atemberaubend klare, starke und kraftvolle Stimme sowie der sichtliche Spaß an der Begeisterung der Zuschauer und der eigenen Musik übertrugen sich in positive Emotionen des Publikums. Beide Seiten waren sofort mit viel Freude und Enthusiasmus bei der Sache. Eine Ausstrahlung und Präsenz, wie sie in der heutigen Zeit nur ganz wenige Künstler haben.

Turner kam in den bekannten Miniröcken, wechselte vier bis fünfmal das Outfit, unter anderem im „Mad Max“-Kostüm und sorgte stets für Begeisterung beim Publikum. Im Gegensatz zum weit verbreiteten Ideal der zu dünnen Stars und Sternchen zeigte Tina ein paar Pfunde mehr, die jedoch gut zur ihrer Erscheinung passten und ein stimmiges Gesamtbild ablieferten.

Neben guten Backgroundsängerinnen brillierte John Miles an der elektrischen Gitarre. Von ansprechendem „Personal“ in Szene gesetzt, konnte Turner zu Höchstform auflaufen. Mit viel Engagement und Power trug die 69jährige US-Amerikanerin Rock and Roll vom Feinsten vor.

Zunächst erinnerte der Sound an eine leicht breiige Mischung aus Stimme und Musik, die nicht problemlos zu filtern war. Dieser Eindruck gab sich allerdings.

Tina Turner präsentierte ihre Songs und lies ruhigere Sachen eher außen vor. Hier wäre wünschenswert gewesen, wenn mehr Stücke aus der Spätphase, „In your wildest dreams“, „Whatever you want“ oder „On silent wings“ beispielsweise, dem fast durchweg rockigen Sound etwas Abwechslung gegeben hätten.

Das Publikum bewegte sich in ähnlichen Gefilden wie bei Katie Melua (!). Eine relativ ausgeglichene Mischung aus Damen und Herren, deren Altersdurchschnitt sich irgendwo bei 45 bis 50 Jahren eingefunden haben dürfte.

Großer Jubel bei jeder Tanzeinlage, Begeisterung bei jedem Song. Geschätzte 14.500 Fans in der offiziell ausverkauften Lanxess-Arena bescherten der 69jährigen einen Tourauftakt nach Maß.

Tina Turner zeigte sich auf der Bühne gewohnt bewegungsfreudig und wirkte zu keinem Zeitpunkt überfordert, albern oder ausgelaugt. Jemand, dem man die Freude an der Bewegung und der Musik jederzeit anmerkte. Eine 30-minütige Pause nach etwa 50 Minuten Spielzeit und anschließend zwei oder drei ruhigere Songs sitzend zu bestreiten tat dem Eindruck der ewig energiegeladenen und frischen Tina Turner überhaupt keinen Abbruch.

Erneut großer Jubel brandete bei der Zugabe „Notbush City Limits“ auf. Hier drehte Tina Turner noch mal richtig „am Rad“, kam mit einer ausfahrbaren Hydraulikbühne ganz nah an die Zuschauer auf den Unterrängen heran, bewegte sich sicher auf dem ausgefahrenen Steg über den Köpfen der ersten Innenraumblöcke und vermochte die Zuschauer auch ein letztes Mal in ihren Bann zu ziehen.


Tina Turner zeigte die erwartet souveräne Show, in welcher die US-Sängerin mit perfekter Stimme sowohl Rocksongs als auch Balladen scheinbar ohne Anstrengungen, Fehler oder Schwächen mehr als gekonnt präsentierte. Auf den Studioalben seit den 80er Jahren doch eher etwas poppig geraten, kamen die Songs live allesamt als ausgewachsene Rock and Roll-Nummern beim begeisterten Publikum an. Hier und da gab es mal etwas ruhigere Töne – der Hauptteil gehörte aber ganz klar dem Rock der ersten Karrierejahrzehnte. Turner wirkte nie peinlich. Im Gegenteil. Nach 120 Minuten Spielzeit war ein gelungenes Konzert vorbei, bei dem man sich mehr Stücke der letzten Alben gewünscht hätte – denn auch auf „Wildest Dreams“ und „Twenty Four Seven“ findet sich deutlich mehr als Füllmaterial.

Eine beeindruckende Persönlichkeit und musikalisch mit Sicherheit auch im Alter von fast 70 Jahren eine der größten, vielleicht sogar die größte Rocksängerin aller Zeiten, deren Live-Show man sicherlich mal miterlebt haben will. Lohnenswert - auch für Leute der jüngeren Generation!

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