Montag, 23. März 2009

Konzertbericht "Klee" & Co.

7.2.2009
live in Konzerthaus (Dortmund)


Vom Hauptbahnhof ist das Konzerthaus Dortmund bequem zu Fuß zu erreichen und die Erwartung von vielen jungen Fans wurde zunächst nicht erfüllt, machten doch die Zuschauer im Foyer einen völlig unterschiedlichen Eindruck zu meinen bisherigen Konzertbesuchen.

Kaum T-Shirts oder Jeans – eher herausgeputzte Herren sowie Damen in Kostümen mit Handtäschchen und Kette…. Bin ich hier richtig?! Auch wenn sich anschließen im Publikum auch eher leger gekleidete Musikinteressierte wieder fanden, kam ich mir zunächst doch etwas deplatziert vor….

Das Konzerthaus selber bot eine sehr gute Akustik, die Bühne war in ihrer kompletten Größe hervorragend zu sehen und auch die Stühle waren bequem.

Die von einer Vielzahl von Künstlern aufwendig arrangierte Bühnenshow fiel hier natürlich bei Friebe, Merz & Klee völlig ins Wasser. Sehr schlicht und simpel – es gab einfach keine Effekte, große Scheinwerfer oder Aufbauten. Man beschränkte sich auf das Wesentliche – die Musik.



Der mir völlig unbekannte Singer/Songwriter-Gitarrist Jens Friebe wäre als kreativer musikalischer Kopf einer Waldorfschule sicherlich sehr gut aufgehoben – für Konzertbühnen reicht es hingegen für meine Begriffe nicht. Die deutschsprachigen Lieder, alleine mit der elektrischen bzw. akustischen Gitarre sowie am Flügel vorgetragen, brachten jedoch weder mitreißende Melodien, geschweige den ansprechende Texte hervor. Hier und da zwar durchaus mal ein paar nett anmutende Tonfolgen, auch die Stimme nicht penetrant nervig – jedoch in seiner Gesamtheit einfach zu schwach.

Die deutschsprachige Version des „The Magnetic Fields“-Songs „Nothing matters when we’re dancing“ wäre als Instrumental deutlich besser gewesen. Textlich möglicher Weise sinnvoll übersetzt – trotzdem nix geworden. Friebe fehlt einfach das Können als Songwriter und Sänger.

Alles in allem mit Abstand der schlechteste der drei Künstler an diesem Abend. Und ohne „Klee“ hätten sich auch kaum mehrere hundert Leute um 21 Uhr im Konzerthaus in Dortmund eingefunden.

Einen gewissen Unterhaltungswert konnte man seinem Auftritt jedoch abgewinnen. Auch wirkte der Wahl-Berliner nicht unsympathisch.
Neben einigen durchaus netten Ansagen („Der nächste Song handelt von einem Thema, was ihr sicherlich alle kennt: Man flüchtet als Gewaltverbrecher vor der Polizei und benötigt ein neues Gesicht“. – und darum ging es in dem Titel dann wirklich!) sorgte der gegen Ende zweimal eingesetzte Laptop mit elektrischen Beats eher für Erheiterung als Begeisterung. Die billigen Ballermann-Beats übertönten wenigstens den hier grottigen Gesang etwas. Auf der Suche nach Melodien half wohl auch die Elektronik nur begrenzt.

Auch der nach der Ansage von Friebe („Ich hab noch fünf Minuten, kommen wir zum Ende“) teilweise einsetzende Applaus und einige Zwischenrufe, die wohl mehr in Richtung Unzufriedenheit als scherzhafte Bemerkung gingen, sorgten für Schmunzler. Zum Schluss gab es dann doch einen vorzeigbaren Applaus. Ob auf Grund der Leistung – oder dem nach knapp 35 Minuten (endlich?) endenden Auftritt bleibt dahingestellt.


Mit „Merz“ folgte ein weiterer Künstler aus dem Singer/Songwriter Genre. Deutlich älter als sein Vorgänger Jens Friebe brachte der Brite durchweg ordentliche Songs auf die Bühne, deren Melodien deutlich „professioneller“ daherkamen als das Wirken des jungen Deutschen zuvor. Ob ruhige Titel am Klavier oder etwas zügigere Nummern an der Gitarre – dem Publikum gefiel es. Das lose „Plaudern“ mit den Zuschauern konnte nicht den „Spaßfaktor“ der Dialoge mit Friebe erreichen, sorgte aber für allgemeine Zufriedenheit. 45 Minuten gab es somit durchaus passable Nummern zu hören, die zwar wenige Momente später schon vergessen waren, den Zuhörer aber nicht schwer im Magen lagen oder zu Pfiffen veranlasst haben. Kein Ausfall – jedoch auch keine große Nummern, die man erneut hören müsste. Solide.



Die Hauptattraktion des Abends war in jeder Hinsicht die Gruppe „Klee“.
Neben sehr guten Live-Qualitäten, sowohl was die Instrumentalisierung als auch den Gesang angeht, wirkten Frontfrau Suzie und ihre Mitstreiter (samt dreier Gastmusiker) locker, leicht und entspannt. Fast jedem kam der ein oder andere flotte Spruch über die Lippen, der Klang der Musik war ausgesprochen gut und auch die Wahl der Setlist ließ kein Grund zu Beanstandungen zu.

Ein Abend, der einfach Spaß gemacht hat. Zwischenzeitliche Kommunikation mit dem Publikum und Ansagen wurden sehr positiv aufgenommen, sorgten für zufriedene Gesichter. Sängerin Suzie Kerstgens punktete durch eine grundlegend sympathische Art, den fehlerlos und kraftvoll vorgetragenen Gesang und jemand, der einfach Spaß an der Musik und dem Kontakt zum Publikum hat. Wie übrigens die gesamte Band.
65 Minuten, die leider viel zu schnell vorüber gingen.


Ein besonderes Highlight bot einer der Zuschauer auf der Galerie, welcher bei sämtlichen Songs der Gruppe Klee dermaßen „abging“, dass man schon fast leichte Zweifel am Geisteszustand bekam…. Der vielleicht 28 Jahre alte Mann durchpflügte mit wilden Armschwingern, Drehungen und an Marionetten erinnernden Bewegungen auf einem Stück von zwei oder drei Metern dermaßen euphorisch die Luft, dass bereits nach kurzer Zeit die Blicke diverser Zuschauer grinsend in seine Richtung wanderten. Die kurzen Pausen zwischen den Titeln sah man ihn dann nach Luft schnappen, bevor es anschließend wieder ab von links nach rechts ging, natürlich wieder heftig rotierend….

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